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Injury Recall Trauma

Ein Injury Recall Trauma kann vielleicht am ehesten als 'Schleudertrauma' auf neuronaler Ebene beschrieben werden. Ebenso, wie es beim klassischen Schleudertrauma

zu einer anhaltenden Fehlhaltung und den damit verbundenen Schmerzen kommt, so kommt es beim Injury Recall Trauma zu einer anhaltenden Fehlinformation auf Nervenebene.

Am häufigsten tritt ein Injury Recall Trauma nach einem mechanischen Unfall auf, es kann aber genauso gut als Folge eines seelischen 'Unfalls' auftreten:

Im Wesentlichen geht es darum, dass sich der Körper in einen Schutzreflex begibt, aus dem er sich nicht mehr selbst befreien kann. Die Idee dahinter ist, dass aus einer Unfallregion (zum Beispiel aus dem Sprunggelenk nach einem Unfall) ein Fehlsignal der zum Gehirn führenden Nerven erhalten bleibt. Wie und warum es manchmal dazu kommt und warum meistens nicht, ist nicht ganz klar. Dieses Signal sendet ununterbrochen 'Ich habe einen Unfall' und erzeugt auf diese Weise grossen Stress durch die ausgelöste Fluchtreaktion im Gehirn. Das Gehirn verfügt noch über verschiedene andere Möglichkeiten den Wahrheitsgehalt der Information 'Unfall', die vom Sprunggelenk ausgeht, zu überprüfen und findet, dass die Augen und die Ohren, ebenso wie der Tastsinn der Haut die Aussage vom Sprunggelenk nicht bestätigt. In der Folge wird das Signal, das das Sprunggelenk aussendet 'runtergeregelt' (wie bei einer Mutter, wenn das Kind den ganzen Tag 'Mama, Mama, Mama, Mama' ruft). Dadurch dass das aufsteigende Signal vom Sprunggelenk 'leise' gestellt ist, ist der Fluchtreflex ausgeschaltet und der entstehende Stress entscheidend verringert. Allerdings entsteht jetzt ein Problem wenn das Sprunggelenk wirklich mal Hilfe braucht. Wenn es also tatsächlich gerade wieder zu einem Umknicken des Sprunggelenks kommt und das Sprunggelenk 'um Hilfe ruft' um die stabilisierende Hilfsmuskulatur zu aktivieren, sendet das Gehirn keine Signale an die Hilfsmuskulatur, da es ja nicht mehr 'hören' kann, was aus der 'runterregulierten' Sprunggelenksregion an Signalen kommt. 

Symptome

Das Beispiel oben ist sehr stark vereinfacht und natürlich zu 'mechanistisch', um das Phänomen im Detail zu beschreiben, aber es ist eine gute Hilfe für die Vorstellung, was da im Gehirn passiert. 

Eine Auflistung der möglichen Symptome ist bei einem Injury Recall Trauma (IRT) wenig zielführend, weil ein Injury jedes mögliche Symptom verursachen kann. Das obige Beispiel zeigt die unmittelbare Ursache-Wirkungs Beziehung mit Ursache im Sprunggelenk und Wirkung im Sprunggelenk. Genauso gut kann es aber durch die mangelnde Stabilisierung des Sprunggelenks zu einem einseitigen Knick-Senk Fuss kommen mit funktionellem Beinlängenunterschied und nachfolgender Beckenverwringung. Dadurch wiederum kommt es zur Verkippung des Kreuzbeins mit Verdrehung der unteren Wirbelsäule, was eine entlastende Verdrehung in der Halswirbelsäule zur Folge haben kann. Hierdurch kann es zu einer verschlechterten Durchblutung der Wirbelsäulen-Arterie kommen und so beispielsweise zu einer belastungsabhängigen Minderversorgung des Gleichgewichtsorgans. Das Symptom mit dem der Patient sich vorstellt, könnte also ebenso 'Schwindel' lauten und hätte trotzdem DIESELBE URSACHE!

Wenn dies wiederum lange genug geht, ohne dass dem Patienten geholfen werden kann, und auf diese Weise genügend Stress verursacht wird, könnten etwa die Nebennieren (Stressabbau) ausbrennen, so dass das Problem des Patienten auch 'chronische Müdigkeit', 'Leistungsknick', 'Burn-Out' oder 'Depression' heissen kann und immer noch DIESELBE URSACHE hätte!

Therapie

Am Anfang der Therapie steht vor allem die exakte Diagnostik, was in vielen Fällen sehr zeitaufwändig und manchmal schweisstreibend für alle Beteiligten ist. Wenn ein Injurymuster gefunden wird, ist das erste Ziel natürlich das Auffinden des auslösenden Mechanismus, was nur durch eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte möglich ist (dabei gibt es keine 'unwichtigen' Details). Sofern dies exakt gelingt, kann ein Injurymuster behoben werden. Dabei wird wird die fehlerhafte neurologische Information gelöscht, was auch oft bei seelischen Injuries gelingt.

Sofern die nachgeordneten Probleme vor allem 'orthopädischer' Natur waren (Instabilitäten, Kraftverlust, Gelenkschmerzen), ist der Effekt häufig verblüffend. Wenn die nachgeordneten Probleme nicht mehr vor allem 'orthopädisch' sind, sondern eher systemisch, sind neben der Löschung der Falschinformation häufig flankierende Massnahmen nötig, um den Gesamtorganismus wieder in die Spur zu bringen.